Und eh man sich versieht …

… ist der Welpe schon ein Junghund!

31.12.2019_0063

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht. Heute ist bereits Djangos erster Geburtstag, unser jüngstes Familienmitglied bereits ein Junghund. 🙂

Als feststand, dass wir einen Welpen aufnehmen, und das tat es im Dezemeber 2018 fast von einem auf den anderen Tag, war mein Enthusiasmus, detailliert über die Welpenzeit zu schreiben, außerordentlich groß. Nun ja … *hust* … wir sehen, viel ist daraus nicht geworden. Uppsi!

Wie war das doch gleich: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt? 😀

Deshalb mag ich den Umstand, des ohnehin anfallenden ersten Geburtstags unseres Jungspunds, nutzen, um ein wenig über die vergangenen Monate zu plaudern. Weil mein persönlicher Drang zu Perfektionismus und die Tatsache, wie wichtig es mir war, den Welpen bestmöglich auf den Alltag vorzubereiten, das Schreiben bisher nicht ermöglicht haben.

Um ein wertvolles Training abhalten zu können, und nachhaltige Ergebnisse zu erzielen, bedarf es nun mal der gesamten Aufmerksamkeit. Da war nicht so viel Luft nach oben. Man hat ja auch noch einen anderen Hund, ein Arbeits- und ein Privatleben und irgendwo dazwischen den Wunsch nach Freizeit.

Aber nun zum eigentlichen Rückblick, würde ich sagen!


Vorweg kann ich eines bereits sagen: Einen weiteren Welpen wird es für uns nicht geben!

Die Entwicklung eines Hundes vom Welpensein an miterleben und -gestalten zu können, war für mich aus gleich mehreren Perspektiven sinn- und reizvoll. An erster Stelle, um die Erfahrung Welpenaufzucht selbst gemacht zu haben. Zweitens hat es mich sehr gereizt, einen Hund vom allersten Tag in unserer Familie an ohne Bevormundung und Begrenzung zu begegnen. Und zuletzt auch, um meine Kunden*innen auch im Hinblick auf die Führung von Welpen nach dem Stopkonzept schulen und beraten zu können.

So oder so, es hat sich auf jeden Fall gelohnt, einen Welpen aufzunehmen. Darüber hinaus, muss ich es wohl nicht unbedingt noch einmal haben. Interessanterweise bin ich mit dieser Meinung nicht die Einzige. Viele Hundehalter*innen, mit denen ich bisher im Gespräch war, sehen es ähnlich. Nur so am Rande.

Was habe ich bezüglich der Aufzucht eines Welpen erwartet?

Nun, ich denke, das ist ein guter Punkt, um anzusetzen. Sicher hat jeder ganz eigene Vorstellungen davon, wie es werden könnte. Es sagt ja keiner, dass es am Ende dann auch tatsächlich so werden würde. 😉

1.) Im Vergleich zu der Erziehung eines älteren Hundes, der aller Wahrscheinlichkeit nach im Vorfeld konventionell geführt wurde, hatte ich mir mit einem Welpen mehr Einfachheit erwartet. Ich ging davon aus, dass viele Dinge schneller „da sind“, weil man keine schon gebildeten Routinen und Muster umgehen und ersetzen müsse.

2.) Ich hatte erwartet, dass es hilfreich ist, einem Welpen von Anfang an mit klaren Strukturen und Verhaltensvorlagen Orientierung zu geben, die ihm „die Anpassung ans System“ erleichtern.

Darüber hinaus hatte ich, ehrlich gesagt, kaum spezifischere Vorstellungen, wie es werden würde und könnte. Der Umgang mit Hunden fiel mir noch nie schwer, hat mir den Weg in die Arbeit mit ihnen im Gegenteil eher begünstigt, weil ich vieles sehr selbstverständlich im Bezug auf mich darstelle, statt auf mein Gegenüber, und Hunde sich daraus weit mehr entnehmen können, als aus „tu dies“ und „lass das“.

Was uns zu der Frage führt:

Wurden meine Erwartungen erfüllt?

Meine erste Erwartung, bestätigte sich nicht. Meiner Meinung nach, geht’s mit einem Welpen „nicht schneller“, als mit einem älteren Hund. Auch nicht, wenn der Welpe nie in seinem Leben etwas unter Kommando und Kontrolle beziehungsweise Durchsetzung tun musste/ muss.

Die zweite meiner Erwartungen, bestätigte sich bedingt. Was das angeht, habe ich vor allem im Bezug zum Training wirklich wichtige Erfahrung gesammelt, die ich in meinen Schulungen mit einfließen lassen kann und natürlich einfließen lassen werde.

Résumé

Für die Erfahrung, einen Welpen großziehen zu können, bin ich unheimlich dankbar. Ich habe so viele Dinge dazugelernt. Nicht nur über Welpen und wie ein soziales Säugetier aufwächst und lernt, sondern auch über mich selbst.

Ich weiß noch, dass ich Django die ersten zwei drei Monate häufig als meinen „Endgegner“ bezeichnet habe. Man bekommt aber nicht den Hund, den man sich wünscht, sondern den, den man braucht. Heute schaue ich auf viele der ersten Momente bereits lachend zurück, bei denen ich mich anfangs fragte „Warum nur?“. Und dafür liebe ich Django. Denn eigentlich brauche ich einen Endgegner. Immer! Wenn ich keine Herausforderung vor der Nase hätte, könnte ich mich ja gar nicht weiterentwickeln. Und wenn mir das versagt bliebe, könnte ich daran nicht wachsen, sondern würde Stillstehen. Und Stillstand … tja, dafür lohnt sich’s einfach nicht.

Daher war mein Endgegener im Grunde genommen kein wirklicher Endgegner, sondern eine Persönlichkeit, die mir begegnete, und die mich herausgefordert hatte, wieder neue Blickwinkel einzunehmen und einen ganz besonderen Charakter aus einer anderen Perspektive zu sehen. Nämlich nicht aus meiner, sondern aus seiner eigenen.

Hach, das klang jetzt unheimlich philosophisch. Findet ihr nicht auch? 😉

Die Welpenzeit mit Django, und die ersten Monate seiner Entwicklung, haben mir nur noch deutlicher gemacht, dass man sein Gegenüber nicht ändern kann, wenn es dazu noch nicht bereit ist. Man kann nur sich selbst verändern. Und auch, wenn das im ersten Moment wenig erscheint, hat es dennoch große Auswirkungen auf das Individuum, das einem gegenübersteht.

Es ist essenziell wichtig, dem Lernenden die Zeit zu geben, die er benötigt, um all seine Zweifel als unbegründet erachten zu können, all seine Fragen stellen zu dürfen und all seine eigenen Ideen auszuprobieren, um am Ende daraus ganz eigene Erfahrungen und Anpassungen machen zu können. Dabei hilft es, als erfahreneres Individuum sicherzustellen, dass dem Lernenden nichts Schlimmes widerfährt, ohne jedoch jede negative Erfahrung vermeiden zu wollen. Denn auch aus dem, was nicht funktioniert, lernt man etwas.

Im Bezug auf die Anpassungsfähigkeit meines Gegenübers bin ich mittlerweile viel gelassener geworden. Ich weiß, dass Anpassung stattfindet und unter welchen Bedingungen es dazu kommt. Und weil ich weiß, dass es geschehen wird, muss ich nicht mit der Uhr und dem Kalender dastehen und mich fragen: „Wann wird es denn endlich so weit sein?“ Stattdessen kann ich sagen: „Es wird geschehen. So oder so.“ Und ich kann die Bedingungen bestimmen und die Entwicklung so begleiten, dass sie sicher verläuft und nachhaltig ist.

Zugegeben, es ist nicht immer leicht, das Gegenüber „nur“ beschützend zu begleiten und zu gewährleisten, dass es seine eigenen Entscheidungen treffen und Erfahrungen machen kann. Man fühlt sich für den anderen verantwortlich, möchte zu seinem Wohl handeln und vielleicht, ja vielleicht auch hier und da gern, dass ein Ergebnis schnell „sichtbar wird“. Doch ich finde, das muss man „wegstecken lernen“, denn es hilft nichts. Wirklich, gar nichts! Nur die Dinge, die man sich selbst erschließt, die man für sich selbst als gerechtfertigt und sinnvoll erachtet, die wird man ein Leben lang nutzen können. Was es so wichtig macht, dem Hund die Zeit zu geben, für sich selbst lernen zu können. (Das wieso, weshalb, warum würde den Rahmen dieses Artikels jetzt allerdings enorm sprengend. Daher lasse ich das an dieser Stelle außen vor und verspreche auch gar nicht erst, ich würde es später einmal niederschreiben. Denn letztlich ist das Bestandteil meiner Schulungen und beinhaltet so Einiges.)

Sind wir schon am Ende der Fahnenstange?

Sicher nicht! Manche Schritte in der Ausbildung mussten wir gar nicht gehen, andere gehen wir dafür bereits länger als üblich/ geglaubt und wiedere andere Sachen brauchen schlicht und einfach noch ihre Zeit.

Zugegeben, ich hätte mir gewünscht, dass wir nach einem Jahr bereits sagen können: „Jawohl, passt alles.“ Aber dann wieder denke ich mir, dass ich jetzt so gelassen bin, dass sich die Dinge von allein ausgehen werden. Ich meine, wir verändern unser Verhalten nicht mehr, sind zuverlässig und stehen zu unserem Wort. Den Rest, also die Anpassung daran, hat Django selbst in den Pfoten. Was uns wissen lässt, dass er am Ende ein noch coolerer Kunde wird, als er es jetzt bereits ist. Eben ein stabiler Begleiter im spontanen Alltag.


Am liebsten würde ich jetzt sagen, ich thematisiere das ein oder andere Thema noch einmal gezielter in einzelnen Artikeln. Aber irgendwie liegt mir nichts daran, etwas zu prophezeien, das ich möglicherweise nicht halten kann. Das wäre einfach nicht authentisch. Also lasse ich es. Und wer weiß, vielleicht lesen wir uns ja schon ganz bald wieder. 😉

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.